Erlebnisberichte und praktische Tipps für Passauer Studierende im Doppelmaster mit der Universität Turku

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Bericht zum Auslandsstudium

1. Vorbereitung des Studiums

  • Wie erfolgte die Bewerbung bei der Gasthochschule? Welche Unterlagen waren erforderlich? Wo waren sie zu finden (Internet ...)? Nach Platzangebot seitens der Uni Passau wird man von der University of Turku (UTU) an der Hand genommen und kann sich einfach online eintragen und dort alle relevanten Infos finden. Benötigt wird ein Transcript of Records sowie ein vom Englischdozenten unterzeichnetes Sprachenformular. Außerdem werden die zu belegenden Kurse abgefragt.
  • Wann beginnt das Semester? Welche Fristen sind unbedingt zu beachten? Ein Semester besteht aus zwei 6-7-wöchigen Terms. Herbstsemester dauert September-Dezember (OWoche Ende August), Frühlingssemester Januar-April. Ggf. Prüfungen bis in Anfang Mai hinein jedoch unüblich. Klausuranmeldung relativ spät - lediglich normale Erasmus-Bewerbungsfristen zu beachten & unbedingt zum ersten Vorlesungstermin erscheinen, um die Kursteilnahme zu garantieren
  • Von wann bis wann waren Sie im Ausland? Würden Sie anderen empfehlen länger/kürzer zu bleiben? Mitte August bis Mitte Mai. Zeitraum ist eigentlich perfekt um in Skandinavien zu Reisen und alle Jahreszeiten zu erleben. Eventuell überlegenswert nur bis zum 3. Term Ende Februar zu bleiben um ab April in Passau zum Sommersemester zurück zu sein (für Doppelmaster jedoch ungeeignet). Empfehlenswert den Mai nach Ende der Universitätsveranstaltungen noch komplett zum Reisen auszunutzen und erst am 31.5. abzureisen
  • Welche Kontaktperson oder welches Amt sollte man als Neuankömmling zuerst aufsuchen? (z.B. für Stundenplanerstellung, Anmeldung, Kursangebot) Die „Fachschaft“ der Wirtschaftler (TuKY) hilft immer und bei der Student Union sollte man sich definitiv anmelden und einen Studentenausweis ausstellen lassen (bestenfalls bereits 2 Wochen vor Ankunft), von offizieller Seite her ist eigentlich nur das International Office (auf dem University Hill) relevant, um sich an der Uni anzumelden und die Registration Form für Erasmus unterschreiben zu lassen. Für den Doppelmaster ist Eija Koskivaara die (sehr hilfsbereite und informierte) Kontaktperson. Mail-Adressen findet man eigentlich stets auf www.utu.fi. Wenn man eine Wohnung über TYS bekommen hat, empfiehlt es sich in der ersten Woche in deren Büro vorbeizuschauen, um den Mietvertrag abzuholen.
  • Haben Sie einen Sprachkurs vor Studienbeginn oder während des Studiums besucht? (Wer organisiert ihn? Niveau, Kosten, Dauer....) Sowohl die Fakultät TSE als auch die UTU an sich bieten diverse Sprachkurse an, für die man sich direkt im Vorlesungssystem kostenlos einschreiben kann. Die Wirtschaftler haben hier also die meisten Optionen. Schwedisch und Finnisch wird in Englisch gelehrt, das meiste Andere meines Wissens nach auf Finnisch, außerdem gibt es organisierte Sprachen-Tandems, in dem sich Studentenpaare gegenseitig z.B. Deutsch/Finnisch beibringen. Da Englisch überall perfekt funktioniert, ist das Lernen von Finnisch oder Schwedisch eigentlich nicht nötig, aber im alltäglichen Leben hilfreich. So bekommt man auch einen tieferen Einblick in die finnische Kultur.

2. Studium an der Gasthochschule

  • Welche Kurse oder Professoren können Sie empfehlen bzw. würden Sie nicht empfehlen? Warum? Welche Leistungen müssen Sie für anerkannte Kurse erbringen?
Kurs Dozent Termin ECTS Leistungen Bewertung & Kommentar
Strategic Brand Management Prof. Ulla Hakkala & Prof. Stuart Roper Term 1 6 60% 5-seitiger Essay (individuell), 30% Marken-Präsentation (Gruppe) & 10% Executive Summary (Gruppe) Recht interessanter, einwöchiger Intensivkurs mit undurchsichtiger Benotung
Innovation Ecosystems in the Global Economy Prof. Päivi Oinas & diverse Gastdozenten Term 2 6 50% Individuelle wöchentliche Assignments, 20% Gruppen-Assignments & Präsentationen, 30% Learning Diaries Leider deutlich langweiliger als erwartet; Fokus eher auf Geographie; Notengebung willkürlich durch die wöchentlich wechselnden Dozenten
Research Methods Dr. Jonna Järveläinen & Dr. Islam Najmul Terms 3 & 4 6 Wöchentliche Assignments in Bezug zu quantitiativer (33%) und qualitativer (33%) Datenerhebung/Forschung sowie Forschungsplan für die Masterarbeit samt Abschlusspräsentation (33%) Viel zu aufwändige Assignments, allerdings durchaus sinnvolle, interessante Veranstaltung mit extremem Mehrwert, falls das Research Proposal samt Feedback für die Masterarbeit genutzt wird
Management of IS Projects Dr. Hongxiu Li & diverse Term 2 6 70% Wöchentliche Forums-Diskussionen basierend auf vorgegebenen Papern, 30% Learning Diary (Essay) Nervige Deadlines zur Online-Diskussion, teilweise redundante Paper aber insgesamt interessant und lehrreich
Information Technology and Ethics Dr. Kai Kimppa Terms 1 & 2 6 40% Akademischer 10-seitiger Essay, 30% Buchzusammenfassung, 30% Kurz-Essays zu 12 Forschungsgebieten Mit Abstand der interessanteste Kurs mit großartigem Dozenten. 1. Assignment (Ethik-Buch-Zusammenfassung) bringt einen zum Wahnsinn.
Software Business Dr. Islam Najmul Term 3 und/oder 4 3 + 3 Eine verpflichtende und eine optionale Klausur am Computer bestehend aus 4-5 Freitextfragen zum Stoff Stoff besteht aus 3 Büchern und einem Dutzend Papern; eExam sowie mangelnde Präsenzveranstaltung ist gewöhnungsbedürftig aber dafür ist der Termin flexibel, Bücher teilweise sehr interessant und verständlich
Management of Information Security and IT Service Continuity Dr. Jonna Järveläinen Terms 1 & 2 6 Wöchentliche Assignments im Team, Essay und Präsentation basierend auf wissenschaftlicher Literatur, Case Diskussionen Super Einstieg in Finnland mit interkulturellen Teams. Viel Gruppenarbeit zum Organisieren und Koordinieren aber überwiegend motivierte Kommilitonen in einer passenden Lernumgebung
Knowledge Work Prof. Jukka Heikkilä & Prof. Markku Nurminen Terms 1 bis 4 10 4 umfangreiche Assignments im Herbstsemester und Fieldwork bei finnischem Unternehmen mit entsprechendem Abschlussbericht im Frühlingssemsester Das erste Semester ist extrem langweilig und die Assignments größtenteils sinnfrei. Zwei gut gelaunte Professoren nehmen sich viel Zeit um zusammen für 10 Studenten eine Vorlesung zu halten. Fieldwork im 2. Semester ist mit dem richtigen Team und einer passenden Firma jedoch sehr interessant
Value Creation and Business Models Tommi Pukkinen & Laura Niemi Terms 3 & 4 6 40% 4 literaturbasierte Mini-Essays & Bewertung der Kommilitonen, 50% Essay (AirBnB CaseStudy), 10% Online-Klausur Für die MiniEssays ist zu viel redundante Literatur gegeben die viel Zeit verschlingt, Essay & Online-Klausur sind aber sehr interessant & das peer reviewing auch etwas Neues
TUCS Internet of Things: Architecting and Programming Dr. Amir Rahmani Term 3 2 Übungsaufgaben im Team zum programmieren und am Gerät testen (LEDs, Motor, Lichtsensor, ...) Extrem spaßiger Kurs mit viel Praxis-Erfahrung am Arduino & Intel Galileo - leider aber nur 4 Tage und mangels Note (PASS/FAIL) in Deutschland nicht anrechenbar
  • Gibt es Besonderheiten bei den (o. g.) Kursen? Beispielsweise bezüglich Niveau, Dauer, Hausarbeiten, Lernaufwand oder Lehrmethoden? Das finnische Universitätssystem unterscheidet sich massiv vom Deutschen. Klausuren sind im Master die Ausnahme - stattdessen wird viel mehr auf kleinere Assignments Wert gelegt. Viele Präsentationen, Diskussionen, Essays. Außerdem wird statt tausenden Vorlesungsfolien häufig eher auf wissenschaftliche Paper verwiesen. Hier liest man definitiv deutlich (!) mehr als in Passau. Man muss zwar im Vergleich deutlich mehr und kontinuierlicher Leistung für die Uni bringen, die Noten danken es einem aber.
  • In welcher Sprache werden die Kurse unterrichtet? Die UTU bietet etwa 300 der Kurse auf Englisch an, diese sind eigentlich immer auch für Austauschstudenten freigegeben. Alternativ darf man auch Kurse der etwas kleineren schwedischsprachigen Åbo Akademi (ÅA) belegen, die ebenfalls über Wirtschafts- und Informatikfakultäten mit zahlreichen Englischen Kursen verfügt.
  • Wie war der Auslandsaufenthalt mit Ihrem (BA- bzw. MA-)Studiengang vereinbar? Gab es Probleme? Da das finnische Semester und das deutsche nicht synchron sind, habe ich mich entschlossen, nach meiner Rückkehr im Juni das bereits laufende Sommersemester nicht mehr für die Masterarbeit zu nutzen, sondern diese erst im 5. Mastersemester im Winter zu schreiben. Da ich aber aufgrund des Doppelmasters jeden Kurs einbringen kann, ist die Vereinbarkeit dennoch äußerst groß.

Eine andere Möglichkeit ist, das Masterstudium in Passau zum Sommersemester zu beginnen. In Finnland ist man dann auch von August bis Mai, hat dann aber nach der Rückkehr noch die Möglichkeit im Sommersemester Kurse in Passau zu besuchen. Das vierte Semester ist dann regulär das Wintersemester, in dem dann die Masterarbeit auch gut unterzubringen ist. Aber Achtung, das Masterseminar muss dann möglichst schon im ersten Semester in Passau erledigt werden, sonst schreibt man am Ende Seminar- und Masterarbeit parallel.

3. Unterkunft / Leben

  • Welche Anlaufstellen sind bei der Wohnungssuche zu empfehlen? (Universität, Agenturen, ERASMUS-Büro, Zeitungen, Schwarze Bretter...) Grundsätzlich gibt es die drei Agenturen TVT, Retrodorm sowie TYS. Letztere betreibt das Student Village, das mit etwa 3.000 Wohnungen extrem groß ist. Die Universitäten haben bei TYS außerdem ein festes Kontingent für Austauschstudenten reserviert und TYS baut ständig neuen Wohnraum. Aufgrund der Lage ist definitiv eine TYS-Wohnung im Student Village West zu empfehlen, auch wenn die anderen Optionen ein wenig günstiger wären.
  • Wie haben Sie gewohnt? Würden Sie Ihre Wohnung weiterempfehlen? Stadtviertel: Student Village West (10min zu Fuß zur Uni, 30min zum Marktplatz, direkt an einer Bushaltestelle: Inspehtorinkatu 4 / Yo-Kylä 3). Kosten: 300€ Kaution, 370€ monatlich, 60€ einmalige Verwaltungsgebühr. Kommentar (empfehlenswert?, Größe, ...): 18qm großes möbliertes Zimmer inklusive eigenem Bad, geteilte Küche auf dem Stockwerk mit 11 anderen Austauschstudenten aller Nationen, 4 Saunagänge pro Monat im Nebengebäude, perfekte Lage, nicht das neueste aber schön eingerichtet durchaus heimisch. Günstige Waschmaschinen direkt auf der anderen Straßenseite. Kleiner (etwas teurerer) Markt für spontane Besorgungen direkt nebenan hat täglich (!) 10-22 geöffnet. Internetzugang von der Uni (100MBit), Strom, Heizung, Wasser inklusive.

Andere Möglichkeit: Stadtviertel: Varissuo (Krööpilänkatu 4, mit dem Fahrrad ca 30min zur Uni, mit dem Bus 10min, Bus fährt alle 10min, Busfahrkarte gibt es im Föli Office am Marktplatz mit Studentenrabatt). Kosten: 300€ Kaution, 300€ monatlich, 60€ einmalige Verwaltungsgebühr. Kommentar (empfehlenswert?, Größe, ...): ca 18qm großes möbliertes Zimmer, die Wohnung teilt man sich mit einem oder zwei Austauschstudenten, es wohnen entweder nur Frauen oder Männer zusammen, Küche, Bad und Balkon werden geteilt, Sauna (4 Saunagänge im Monat inklusive) und Waschmaschinen und Trockner im Erdgeschoss, Supermarkt ca 5min zu Fuß entfernt, kein WLAN, Internetzugang mit LAN-Kabel oder man besorgt sich einfach einen Router, Strom, Heizung, Wasser inklusive. Man braucht zwar bisschen länger zur Uni, dafür wohnt man im Grünen, in der Nähe zu einem See (natürlich auch mit Sauna) und das Zusammenleben mit den anderen Studenten in der WG ist super.

  • Welche Amtsgänge waren vor und während Ihres Aufenthaltes notwendig? (Visum, Einwohnermeldeamt, Strom, Gas....) Abgesehen vom Housing Office der TYS, dem International Office der UTU ist lediglich eine 5minütige Registrierung im Einwohnermeldeamt nötig (Dies muss innerhalb der ersten drei Monate geschehen - ansonsten stellt die UTU einem kein Transcript of Records aus). Diese Registrierung kann man sogar im International Office vornehmen (Achtung: bestimmte Tage beachten).
  • Was ist bezüglich der Finanzen zu beachten? (Kontogebühren, Kreditkarten, Zahlungsmodalitäten, Sicherheit, Reiseschecks...) Ich habe meine deutsche Kreditkarte genutzt, somit kostenloses Konto. Kreditkarten werden überall akzeptiert und meistens sogar auf kleineren studentischen Veranstaltungen genutzt. Währung ist bekanntlich Euro. Bargeld habe ich zum Glück kaum benötigt oder genutzt. Nach Registrierung beim Amt kann man theoretisch aber auch ein finnisches Konto öffnen. Für sich anbietende Ausflüge nach Russland (St. Petersburg/Moskau), Norwegen (Oslo, Lofoten, Fjords) oder Schweden (Stockholm) ist eine Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr praktisch.
  • Wie haben Sie sich krankenversichert? Welche Kosten mussten Sie dafür tragen? EU-Land, daher für Grundversicherung eigentlich nicht spezielles nötig. Ich habe sicherheitshalber trotzdem eine (nie genutzte) Langzeit-Reiseversicherung abgeschlossen (Die meisten günstigen Reiseversicherungen laufen nur 45 Tage). Mitglieder der Student Union (ca. 105€/Jahr) bekommen aber auch Zugang zu Basis(!)-Krankenhilfe an der Uni. Im Nachhinein hätte ich mich nicht zusätzlich abgesichert.
  • Wie sind Sie gereist? Was kostet ein Flug-/Zugticket zur Destination? Wo bucht man seine Reise am Besten? Entweder mit BalticAir von München via Riga direkt mit einer Propellermaschine zum kleinen Flughafen in Turku für ca. 70€ (Koffer kosten 30€) oder mit Finnair direkt von München nach Helsinki für einen ähnlichen Preis (Koffer jedoch nur 20€), dann mit 15€ Fernbus 2h weiter nach Turku. In Helsinki sind die Flugzeiten deutlich angenehmer und flexibler. Norwegian Air ist für Flüge innerhalb Finnlands (z.B. nach Lappland) sehr günstig, sie fliegen z.B. auch nach Stockholm oder München (allerdings via Oslo). Jeweils direkt beim Flugunternehmen buchen.

4. Freizeit

  • Wie ist das Kultur- und Freizeitangebot der Stadt? Was bietet die Universität an? (Sport, Kneipen, Konzerte, Kino, Baden, Ausflüge...) Der vielseitige CampusSport wird geschlossen für alle zwei Universitäten und vier Fachhochschulen für 60€/Jahr organisiert, wofür man auch in einem Schwimmbad weit außerhalb Schwimmen darf. Kino ist in Englischer Sprache mit finnischen und schwedischen Untertiteln auch am Marktplatz möglich. Im Winter sind jede Woche Eishockey Spiele im Gatorade Center, Studenten bekommen verbilligte Tickets. Diverse Museen, Theater, Bootscruises nach Estland, Schweden, Russland, … Lappland ist mehr als empfehlenswert. Ebenso Tampere, Helsinki, Stockholm, Naantali, Tallinn, St. Petersburg, Rauma, Lofoten, Pori, Åland & Seenfinnland. Kneipen und Clubs sowie eigene Partyhäuser der Fachschaften sind zur Genüge vorhanden. Viele Aktivitäten mit der Gemeinschaft auf dem Wohnheimsstockwerk. Die Wiwi-Fachschaft TuKY ist extrem groß und aktiv und bietet diverse Veranstaltungen an. Definitiv nicht entgehen lassen darf man sich die Sitzpartys von NESU-TuKY im Parkki (Fachschaftshaus). Außerdem ist das Erasmus Student Network nennenswert und ziemlich aktiv wobei ich dennoch eher mit den Wirtschaftlern der TSE (TuKY) zu tun hatte.
  • Was ist beim Transportsystem zu beachten? (Preise, Fahrpläne, wo kauft man Tickets, Pünktlichkeit, ...) Nach der Registrierung an der UTU kann man am Marktplatz eine Studenten-Guthabenkarte für den Nahverkehr besorgen. Damit zahlt man für Einzelfahrten (für 120 Minuten gültig, auch Hin&Zurück innerhalb der Zeit) 1,70€, nachts 2,70€ und somit circa 45% weniger als Normalos. Nach Erreichen des Preises einer Monatskarte (ca. 32€) wird für den Monat nichts mehr abgebucht. Eigentlich wird jede Bushaltestelle mindestens im 15-min-Takt pro Linie angefahren. Über die Website (www.foli.fi/en) kann man die Busse recht gut sogar mit GPS verfolgen. Für den Fernverkehr ist OnniBus deutlich billiger als andere Busunternehmen (Matkahuolto) oder die Bahn (VR). Insgesamt war ich innerhalb Turkus jedoch meist zu Fuß unterwegs und habe für die 10 Monate nur ca. 60€ für ÖPNV ausgegeben (wird natürlich mehr, wenn man in Varissuo wohnt). Viele kaufen sich auch ein Fahrrad, dann ist man doch mobiler und kann es gut am Ende über Facebook wieder verkaufen.
  • Wie haben Sie Kontakt zu den Einheimischen geknüpft? Überwiegend über die Kennenlern-Events der TuKY (Fachschaft der Fakultät) in der Orientierungswoche, das großartige Tutorenprogramm der UTU (jeder Austauschstudent bekommt mit meist 2 anderen zusammen einen Tutoren der selben Fakultät zur Verfügung gestellt). Außerdem sind Sitzpartys aufgrund zufälliger Sitzordnung perfekt zum Kennenlernen geeignet, in den Vorlesungen werden oft Teams zusammengewürfelt, oder auch in der Sauna im Schwimmbad. Seminare und Workshops sind auch geeignet und zur Genüge verfügbar.
  • Waren Sie viel mit anderen Austauschstudierenden unterwegs? Woher kommen die anderen internationalen Studierenden hauptsächlich? Angeblich sind die meisten Austauschstudenten (40%) aus dem deutschsprachigen Raum. Zumindest im Wohnheim sind jedoch Franzosen und Spanier stärker präsent (aka auffällig). Ansonsten überraschend viele Holländer, Italiener, Chinesen. Die Universitäten sind allesamt sehr international ausgelegt und das fällt definitiv positiv auf! Ich persönlich hatte aber eher mit Finnen der Wirtschafts-Fakultät zu tun.
  • Haben Sie nach/neben Ihrem Studium noch das Land/die Umgebung erkundet? Was ist besonders sehenswert? Im Frühherbst haben wir einen Roadtrip nach Lappland gemacht. Im Winter dann mit Timetravels (generell teuer, aber extrem empfehlenswert!) erneut in ein Cottage in Lappland mit Huskytour, Schneemobilfahren, Eistauchen in Norwegen, Santa Clause Village in Rovaniemi, Nordlichterjagd. Mit dem ESN die Pirates of the Baltic Tour mit 2000 Studenten aus 70 Nationen nach Stockholm. Sowohl St. Petersburg als auch die Lofoten in Norwegen habe ich im letzten Monat nach Vorlesungsende noch besucht - beides mehr als empfehlenswert! Naantali, Helsinki, Pori, Rauma und Tampere sind gut mit dem Bus/Zug zu erreichen und auch sehr sehenswert! St. Petersburg ist eine einmalige Gelegenheit! Tallinn ist auch eine wunderschöne Stadt und mit der Fähre schnell erreicht. Das Turkuer Archipelago ist ebenfalls wunderschön! Generell sollte man versuchen, so viel wie möglich mit ESN & Timetravels (Russland, Lappland, Lofoten) zu reisen. Ein Auto zu mieten ist in Finnland auch relativ preiswert, wenn man sich frühzeitig darum kümmert. Dann steht auch dem Roadtrip und einer Reise mit Freunden nichts mehr im Weg. Unabhängig davon bietet insbesondere Viking (aber auch Silja und Eckerö) günstige Fährfahrten mit Schlafkabinen nach Tallinn (Estland), Åland (Finnisches Archipelago) und Stockholm (Schweden) an. Wir haben das mehrfach gemacht und es lohnt sich definitiv!
  • In welche Fallen könnte man im Ungang mit der fremden Kultur tappen? Gibt es besondere Höflichkeitsregeln, die man als Deutscher zunächst missachtet? Die Leute, die man über die TuKY kennenlernt sind eigentlich ausnahmslos sehr offen und die Verschlossenheit, die man den Finnen nachsagt, war deutlich weniger ausgeprägt als erwartet. Allerdings merkt man es schon manchmal, dass die Finnen etwas reserviert sind, aber dann einfach offen und freundlich auf sie zugehen, dann wird man ebenfalls freundlich empfangen.

5. Fazit / Allgemein

  • Was hat während Ihres Aufenthaltes für angenehme oder unangenehme Überraschungen gesorgt (beste und schlechteste Erfahrung)? Sehr gefallen hat mir das andere Unterrichtssystem, das viele Reisen, der Alltag in Turku, und die Sitzpartys. Ein einzelnes Highlight auszuwählen fällt schwer: Ausgewürfelt gewinnt Nordlichter bewundern in Lappland gegen die beeindruckenden Lofoten-Inseln und die umwerfende Stadt St. Petersburg. Frühe Integration in die Stockwerksgruppe ist ratsam. Das Schlimmste war aber die nicht enden wollende Bürokratie! Wir werden hier etwas schickaniert von der Universität Passau - andere deutsche Studenten müssen teils einen einzigen ECTS erreichen und nicht jede Miniänderung von drei Leuten absegnen lassen. Auch nach der Rückkehr aus Finnland gibt es leider eine nicht enden wollende Flut an auszufüllenden und einzureichenden Dokumenten. Es gibt leider immer noch viele offene Fragen und teilweise Missverständnisse, allerdings ist das Doppelmasterprogramm noch nicht lange etabliert und die Fragen werden sich in Zukunft mit mehr Erfahrung seitens der Studenten und Professoren hoffentlich klären. Es ist schier unmöglich zum geforderten Zeitpunkt bereits ein fehlerfreies, in Stein gemeiseltes Learning Agreement zu haben da die nötigen Informationen erst kurz vor Semesterbeginn verfügbar sind! Daher nicht zu viel Liebe in die erste „before“-Version stecken, Änderungen lassen sich ohnehin nicht vermeiden! Kursanmeldung findet in Turku erst eine Woche vorm jeweiligen Termbeginn statt und oft werden spontan zusätzliche Kurse angeboten oder wenige fallen weg.
  • Welche praktischen Tipps würden Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben? (z. B. Gepäck, Post, Telefon, Handy, Vergünstigungen...) Definitiv die in der Willkommenstüte enthaltene Prepaid-SIM-Karte von DNA nutzen! 17€/Monat für ungedrosseltes, unendliches LTE das in Finnland wirklich am äußersten Landeszipfel verfügbar ist! Geht jetzt auch ganz gut ohne, da Roaming in Europa kostenlos (je nach Vertrag) ist. Telefonieren aber möglichst übers Mobilfunknetz vermeiden sondern eher über WhatsApp. Pakete von Finnland nach Deutschland sind unendlich teuer - eventuell lieber einen Koffer mehr für 20€ zurückfliegen (oder beim ESN nachfragen, ob es unser GLS-Angebot für 30€/Paket wieder gibt). Die Mensa ist mit 2,60€ für Hauptgang mit Beilage, Salat, Brot UND Getränken für Mitglieder der Student Union extrem (!) günstig und mit viel Auswahl meist auch lecker. Daher unbedingt bei der TYY registrieren - Studenten haben in Finnland generell eine hohe Anerkennung und bekommen mit Studentenausweis fast überall erhebliche Rabatte. Für Fernverkehr immer zuerst OnniBus, dann ggf. Matkahuolto und VR checken. Bei Fährfahrten nicht Einzelfahrten buchen sondern Tagescruises nach Stockholm von Turku aus als Bundle kaufen (ab 75€ / Kabine mit 2 Nächten für bis zu 4 Personen). Kauft Euch möglichst früh den Overall der TuKY - der wird wirklich auf jedem Event getragen & das Sammeln der Aufnäher ist eine geniale Erinnerung! Außerdem die in der Miete inbegriffene Sauna regelmäßig nutzen! Eventuell eigenen Router mitnehmen - eduroam-WLAN ist im Wohnheim nicht flächendeckend verfügbar, dafür aber oft überlastet.
  • Was hätten Sie rückblickend anders gemacht? Früher über technische Vorlesungen der TUCS an der Informatik-Fakultät der UTU oder zusätzliche Kurse an der ÅA informiert. Am ersten Tag gleich eine Putzfrau für das dreckige Wohnheimzimmer verlangt. Den CampusSport mehr genutzt, es gibt fast jede Sportart (natürlich auch Eishockey). Schon im Herbst eine Radtour durchs Archipelago gemacht. Auf die Lofoten möglichst bald im Herbst statt bei schlechtem Wetter im Frühling. Rückflug doch erst am 31. Mai oder später und nicht früher.